Geistliches Wort

Liebe Gemeinde,

in diesen und den nächsten Wochen denken wir an viele Ereignisse aus dem Leben Jesu und feiern in unseren Kirchen viele Feste: den Einzug in Jerusalem an Palmsonntag, das Abendmahl an Gründonnerstag, den Tod Jesu an Karfreitag, die Auferstehung an Ostern, dann die Himmelfahrt und bald darauf Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes.

 

Aber das mit dem Geist scheint so eine Sache zu sein. Würde man einmal Kinder fragen, wer denn der Heilige Geist sein könnte, kommen Gedanken wie "ein Gespenst" oder Geschichten von Halloween. Erwachsene verbinden "Geist" eher mit Vernunft oder Geistigkeit; Sportfans würden vom Teamgeist reden.

Im Gegensatz zu unserem weitgehenden Empfinden einerGeistvergessenheit spielt der Geist Gottes in der Bibel eine Große Rolle. Da wird vom Geist Gottes als der Gottesdkraft gesprochen, die uns Menschen erfüllt und stärkt. So schreibt Paulus an seinen Freund Timotheus: "Gott hat uns nicht einen Geist der Feigheit gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." (2.Tim 1,7) Oder an die Christen in Korinth schreibt der Apostel, dass Gottes Geist uns viele verschiedene Begabungen und Talente schenkt, die wir zu Guten und zum Segen für andere Menschen einsetzen sollen (1. Kor 12). Und Christen in Kleinasien schreibt Paulus, dass - wo wir Gottes Geist Raum in usnerem Leben geben - Frucht wächst: "Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung." (Gal 5,22)

Mit Gott und Gottes Geist so direkt im Leben zu rechnen, sich für Gottes Gegenwart und seine Gaben bewusst zu öffnen, macht Glauben zu einer spannenden und dynamischen Erfahrung. An Pfingsten denken wir daran, dass Gott seinen Geist gesandt hat und bitten ihn, dass er mit seinem Geist in unserem Leben, in seiner Schöpfung und in seiner Kirche wirksam und lebendig ist. In der frühen Christenheit hat man ganz konkret um Gottes Geist gebeten - z.B. mit folgendem Pfingstlied:

 

Komm, Heil'ger Geist, der Leben schafft,

erfülle uns mit deiner Kraft.

Dein Schöpferwort rief uns zum Sein:

Nun hauch uns Gottes Odem ein.

Komm, Tröster, der die Herzen lenkt,

du Beistand, den der Vater schenkt;

aus dir strömt Leben, Licht und Glut,

du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.

Die Macht des Bösen banne weit,

schenk deinen Frieden allezeit.

Erhalte uns auf rechter Bahn,

dass Unheil uns nicht schaden kann.

 

Aus eine Pfingsthymnus von Rabanus Maurus (780-856).

So wollen wir auch in unseren Pfingstgottesdiensten (am Pfingstsonntag mit einem Familiengottesdienst bei uns und am Pfingstmontag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Lutherkirche) um Gottes Geist bitten.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passions-, Oster- und Pfingstzeit.

 

Ihr Achim Schowalter