Aus dem Ältestenkreis 3/2017

Besprechung mit der Dekanin des Kirchenbezirks Bretten-Bruchsal Frau Gabriele Mannich

 

Wie in der letzten Ausgabe der Gemeindezeitung angekündigt fand am 20.7. eine Besprechung des Ältestenkreises mit unserer Dekanin Frau Gabriele Mannich statt. Gegenstand der Unterredung waren personelle und finanzielle Entwicklungen in der Badischen Landeskirche, ihre Auswirkungen auf Kirchenbezirk und Kirchengemeinde, sowie
die zu ziehenden Konsequenzen und die zu treffenden organisatorischen Maßnahmen. Frau Dekanin Mannich konnte die bereits berichteten Trends bestätigen und quantitativ weiter spezifizieren. Vorrangige Herausforderung wird der sich deutlich abzeichnende Pfarrer-Mangel sein. Die kritische Phase beginnt mit den Jahren 2022-2025 und erreicht ihren negativen Höhepunkt im Jahre 2030. Von den derzeit 960 badischen Pfarrern wird bis dahin mehr als die Hälfte (490) in den Ruhestand gehen. Da pro Jahr nur ca. 25 junge Pfarrerinnen und Pfarrer nachrücken, ist damit zu rechnen, dass ca. 200 Stellen nicht nachzubesetzen sind. Zwar ist auch die Zahl der zu betreuenden evangelischen Christen leicht rückläufig, dennoch wird die Entwicklung erhebliche Auswirkungen auf die Dichte der seelsorgerischen  Betreuung und auf die Gemeindestrukturen haben.

 

Die ungünstige finanzielle Entwicklung verschärft die Situation weiter. Ab 2025 muss damit gerechnet werden, dass der Haushalt der Landeskirche nicht mehr ausgleichsfähig ist und bereits aus diesem Grund eine Reduzierung
der Stellenumfänge erforderlich wird. Grundsätzlich strebt die Landeskirche an, auch in Zukunft flächendeckend präsent zu sein, dennoch können Zusammenlegungen und die Schwerpunktbildung kirchlicher Aktivitäten nicht vermieden werden. Ehrenamtliches Engagement wird eine noch größere Rolle spielen, noch kritischer als bisher wird
man prüfen müssen, für welche kirchliche Veranstaltung der theologisch ausgebildete Pfarrer wirklich gebraucht wird; wo und wie kann er von Managementaufgaben entlastet werden? Welche Gruppen und Kreise können über die
Grenzen der Pfarrgemeinde hinaus angeboten werden? Wie kann für den Pfarrerberuf geworben werden, wie die Arbeitsbedingungen attraktiver und familienfreundlicher gestaltet werden? Dies ist nur ein Teil der Fragen, mit
denen sich die Kirche in den nächsten Jahren auseinandersetzen muss.

 

Was die Durchführung betrifft, ist vorgesehen, nach einer gründlichen Analyse für die einzelnen Kirchenbezirke konkrete Reduzierungen von Pfarrerstellen und anderen Hauptamtlichen vorzugeben. Auf der Basis dieser vorgegebenen Eckdaten werden die Kirchenbezirke und Kirchengemeinden dann Vorschläge erarbeiten können, wie mit den reduzierten personellen Ressourcen eine möglichst optimale Struktur und Aufgabenwahrnehmung möglich ist.
Ganz konkret wird die in Bruchsal anstehende Visitation 2018 eine wichtige vorbereitende Bestandsaufnahme sein. Sie sollte daher nicht als lästige und mit hohem Arbeitsaufwand verbundene Pflicht, sondern als Chance wahrgenommen werden, die verschiedenen Facetten unserer Gemeindearbeit in ihrer Bedeutung nach außen darzustellen und für
ihre Fortführung zu werben.

 

Dennoch: Nicht jede Gemeinde muss alles bieten. Wir werden uns noch mehr als bisher für gemeinsame Aktivitäten mit den Nachbargemeinden öffnen müssen, einschließlich der wichtigen Fragestellung, was die Ökumene leisten
kann, um lebendiges christliches Leben und Bekennen auch unter den veränderten Rahmenbedingungen zu  ermöglichen.


Jürgen Dick