Impuls zur Karwoche von Pfarrer Achim Schowalter

Dank und Trauer

Zwei Sätze aus der zurückliegenden Woche sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Eine Frau sagte sinngemäß, als viele negative Informationen rund um die Corona-Krise ihre Gedanken besetzten: „Ich muss jetzt eine „Dankliste“ anfangen.“ Und sie erzählte weiter: „Innerhalb von kurzer Zeit war diese Liste ziemlich lang.“

Einen Tag später hatte ich eine Online-Besprechung, bei der wir als Team uns entschlossen haben, eine große musikalische Veranstaltung für dieses Jahr abzusagen. Da meinte ein Mann: „Das müssen wir jetzt erst einmal sacken lassen und der Trauer Raum geben, dass dieses Event nicht stattfindet.“

Zwischen Dank und Trauer schwanken auch oft meine Gefühle hin und her. Dank dafür, dass ich genug zum Essen habe, eine Familie habe, ein Dach über dem Kopf, ausreichend Mittel, um mein Leben gestalten zu können. Aber immer wieder auch Trauer (und manchmal auch etwas genervt Sein) darüber, dass manches so kompliziert ist, manches unmöglich, vieles, auf das ich mich gefreut habe, nicht so ist oder stattfinden kann. Auch Trauer über die vielen Menschen, die durch den Virus schon zu Tode kamen und um die ihre Familien und Freunde trauern. An die Katastrophen, die Menschen in den Flüchtlingslagern noch bevorstehen, möchte ich noch gar nicht denken.

Dank und Trauer gehören für mich auch zur Karwoche, die vor uns liegt und in der wir das Leiden und Sterben Jesu bedenken. Trauer, weil sich in den Geschehnissen rund um den Tod Jesu die Schattenseiten menschlicher Unfähigkeit und Bosheit abbilden – von psychischen Schmerzen, die wir uns als Menschen zufügen, über Ungerechtigkeit, Verleumdung und Hass bis hin zu brutaler Gewalt. Aber auch tiefe Dankbarkeit darüber, dass Gott sich in Jesus dem Leid, der Ungerechtigkeit, der Menschenverachtung nicht entzieht – und er gerade so uns verstehen kann in unseren tiefen Stunden.

„Was für ein Gott, der zu uns kommt, um zu dienen. Was für ein Gott, der klein wird, wie ein Kind. Was für ein Gott, der alle Schuld dieser Erde für uns auf sich nimmt. […] Jesus, Erlöser der Welt, das Licht, das die Nacht erhellt.“ – So dichtet Albert Frey und drückt damit das Stauen über Gottes Art und Handeln aus.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche. Möge Dank und Trauer Raum haben in Ihren Gedanken. Und: Mögen Sie bewahrt bleiben.

Ihr Achim Schowalter