Geistliches Wort

Liebe Gemeinde,

„Keinen Weg lässt uns Gott gehen, den er nicht selbst gegangen wäre und auf dem er uns nicht voraus ginge.“ Dieser Satz stammt von Dietrich Bonhoeffer, einem Pfarrer und Theologen, der in der NS-Zeit selbst junge Pfarrer ausgebildet und im Widerstand gegen das NS-Regime mitgearbeitet hat – also: kein Satz aus ruhigen und entspannten Zeiten.


Leben heißt unterwegs sein. So sprechen wir ganz bildlich von Lebenswegen. Manche Wegstrecken sind problemlos. Es sind Zeiten, in denen so ziemlich alles glatt geht, keine größeren Konflikte auftreten, das Wesentliche gelingt. Man könnte vor Freude tanzen und die Welt umarmen. Solche Zeiten lieben wir.


Auf anderen Wegstrecken sieht man nicht, wie der Weg nach den nächsten Metern weitergeht. Warten da  angenehme oder unangenehme Überraschungen, Freude oder Verzweiflung, Glück oder Schmerz? Ungewisse Zeiten – für die einen das spannende und risikoreiche Abenteuer Leben, für andere eher Verunsicherung und langsames Vorwärtstasten.


Es gibt auch Wegstrecken, wo sich Probleme häufen, Krisen zu bestehen sind, der Mut zum Weitergehen sinkt oder Konflikte mühsam herausfordern. Da läuft eben nicht alles glatt, da gibt es manche Schrammen im Leben oder manchen Sturz.


An manchen Punkten auf dem Lebensweg geht darum, eine bestimmte Richtung zu wählen, Entscheidungen für eine gute Zukunft zu treffen oder aber auch umzukehren und manchen zurückgelegten Weg wieder zurückzugehen.


Als Christen glauben wir, dass wir auf unserem Lebensweg neben den Menschen, die uns begleiten, noch einen unsichtbaren Begleiter haben. Bei all den Kurven und Windungen, Aufstiegen und Abstiegen, leichten und beschwerlichen Wegen ist dieser Satz von Dietrich Bonhoeffer tröstlich, den er der Bibel abgelauscht hat: „Keinen Weg lässt uns Gott gehen, den er nicht selbst gegangen wäre und auf dem er uns nicht voraus ginge.“


Und so muntern uns die Zeilen des Liederdichters Paul Gerhardt, nach dem unsere kleine Kirche benannt ist, immer wieder auf:

1. Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.


8. Ihn, ihn lass tun und walten,
er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
dass du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet,
das dich bekümmert hat.


Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Weg durch die Sommerzeit und den Herbst viele gute Stunden – besonders
aber die Erfahrung, dass Gott auf ihrem Lebensweg an ihrer Seite ist.

Ihr Achim Schowalter