Geistliches Wort

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor ein paar Tagen fragte jemand ungläubig: „Das heißt: Ostern fällt in diesem Jahr aus?“ Die Person meinte: „Es gibt also in diesem Jahr keinen Ostergottesdienst in unserer Gemeinde, den ich besuchen kann?“ Und die Antwort ist: „Leider ja!“

Das Land Baden-Württemberg hat eine sehr weitreichende Verordnung erlassen, dass bis zum 14. Juni keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden dürfen. Und dies schließt ausdrücklich auch religiöse Feiern in Kirchen, Synagogen und Moscheen ein.

Den Grund kennen wir alle: Corona. Dieser Virus bestimmt zur Zeit jede Nachrichtensendung im Fernsehen und Radio, unzählige Reportagen und andere Informationskanäle. Dieser Virus hat es geschafft, Regelungen und Verordnungen notwendig zu machen, die das „normale“ Leben, das wir so viele Jahre ganz selbstverständliche gelebt haben, durcheinander zu bringen oder lahm zu legen.

„Corona“ hat für viele den Blick auf das Leben verändert. Berufsgruppen, die sonst eher im Hintergrund stehen, kommen in den dankbaren Focus der Gesellschaft: Menschen im medizinischen Bereich, Menschen in Pflegeberufen, Verkäuferinnen und Verkäufer in Lebensmittelläden und all die Menschen, die dafür sorgen, dass wir weiter alles Lebensnotwendige bekommen können.

In vielen Betrieben haben sich die Arbeitsbedingungen verändert: Home-Office, Kurzarbeit, Abbau von Urlaubstagen,... Gerade für kleinere Betriebe ist die Corona-Krise zum Teil existenzbedrohend.Die Kindergärten und die Schulen bieten nur eine Notbetreuung an, Schülerinnen und Schüler sollen zu Hause lernen mit Hilfe der von ihren Lehrerinnen und Lehrern erstellten digitalen Arbeitsmaterialien, Prüfungen werden verschoben.

Und für uns alle ist es angesagt, „unnötige“ und oft auch „nötige“ Kontakte zu vermeiden. Auch mein Alltag als Pfarrer hat sich verändert. Viele Stunden verbringe ich am PC, Sitzungen finden in Online-Konferenzen statt, Taufgespräche per Skype, Trauergespräche telefonisch, ...

Im Pfarramt versuchen wir, so weit wie möglich, die organisatorischen Dinge zu erledigen. Wenn Sie Hilfe brauchen oder Fragen haben, können Sie sich gerne an das Pfarramt wenden:

Telefon: 07251 2479

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Web-Seite: www.paulgerhardtkirche.de

 

Auch die Stadt Bruchsal bietet vernetzt mit verschiedenen Organisationen, Initiativen und Kirchen praktische Hilfen an (Telefon 79779).

Zurück zu Ostern: Ostern findet statt. Genauso wie Karfreitag und Gründonnerstag. Leider nicht mit den Gottesdiensten und Aktionen, die wir geplant und auf die wir uns gefreut haben.Doch ohne „geistliche Nahrung“ und Angebote müssen wir nicht bleiben:Im Fernsehen und im Radio werden an den Festtagen Gottesdienste übertragen. Wer Zugang zum Internet hat, findet da auch viele Angebote.

Auch Gemeinden hier im Bezirk übertragen Gottesdienste über Youtube. Auf unserer Internetseite werden wir einige Empfehlungen und Links einstellen. Das ersetzt keinen Gottesdienst, den man mit anderen gemeinsam in der Kirche oder im Freien feiert. Aber wenn man sich verabredet, gemeinsam einen Gottesdienst anzuschauen, hat man auch etwas gemeinsames Geistliches erlebt und kann sich darüber austauschen.

Manches verunsichert uns in diesen Tagen. In unserem Glauben dürfen wir im Vertrauen leben, dass Gott unser Leben und auch die ganze Welt in seinen Händen hält. „He’s got the whole world in his hand“ (Er hält die ganze Welt in seiner Hand), heißt es in einem alten Gospel. Diese Sätze klingen heute sicherlich anders als in einem Familiengottesdienst, in dem man das Lied fröhlich schmettert. Aber diese Sätze drücken das aus, worauf wir im Tiefsten vertrauen dürfen.

Und gerade die Osterbotschaft, dass Gott den Tod überwunden hat, was zeichenhaft in der Auferstehung Jesu erfahrbar wird, unterstreicht dies. „Des solln wir alle froh sein: Christ will unser Trost sein, Kyrieleis“, heißt es in einem der ältesten Osterlieder unseres Gesangbuchs.Wenn wir uns gerade nicht mehr in Gemeinschaften treffen können, gibt es dennoch Möglichkeiten, den Glauben tagtäglich zu leben und zu gestalten.

Beten können wir immer und überall. Jemand sagte einmal: „Gott ist nie mehr als nur ein Gebet von uns entfernt.“ Ein Versuch des gemeinsamen Gebets ist, dass die Bruchsaler Kirchen um 19 Uhr gemeinsam läuten und zum Gebet einladen.

Vielleicht nehmen Sie mal wieder die Bibel zur Hand und lesen ein Evangelium. Meine Empfehlung: Mit dem Markusevangelium oder Lukasevangelium beginnen. Oder lassen Sie sich von einem Bibelleseplan, der kurze Erklärungen zu den Bibeltexten bietet, begleiten (https://www.die-bibel.de/bibeln/leitfaden-bibellese/bibelleseplaene/).

Eine gute evangelische Tradition ist auch das Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeinde, in dem für jeden Tag je ein Vers aus dem Alten und Neuen Testament stehen und dazu ein Liedvers oder Gebet ausgesucht wurde (https://www.losungen.de/die-losungen/).

Das Evangelische Gesangbuch (EG)und auch andere Liederbücher mit christlichen Liedern bieten einen großen Schatz an Texten (und Melodien) für ganz verschiedene Lebenslagen. Im Grundsteintext unserer Kirche stehen folgende Zeilen: „Weil in den notvollen Jahren des zweiten Weltkriegs von 1939-1945 und nach der Zerstörung von Bruchsal die glaubensstarken und aus der Not geborenen Lieder Paul Gerhardts, des Sängers aus dem Dreißigjährigen Krieg, unserer Gemeinde besonders lieb und tröstlich geworden waren, beschloß der Kirchengemeinderat am 7. Oktober 1953, daß dieses Gotteshaus den Namen Paul-Gerhardt-Kirche tragen soll.“ Ein guter Grund dafür, dass die Konfis einige Strophen des Paul-Gerhardt-Lieds „Befiehl du deine Wege“ (EG 361) auswendig lernen sollen.

Es gibt auch schöne Andachtsbücher, die mit Geschichten oder täglichen Impulsen Fröhliches, Nachdenkliches oder Tröstliches mit auf den Weg geben. Axel Kühner, Max Lucado, Henri Nouwen und viele andere haben Andachtsbücher mit Texten für das ganze Jahr geschrieben.Wenn Sie Bücher bestellen, tun Sie es doch bitte über die Christliche Buchhandlung oder über unsere „säkularen“ Buchhandlungen in Bruchsal, die telefonisch oder online erreichbar sind und Ihnen die Bücher zukommen lassen. (Damit wir auch noch nach „Corona“ Buchhandlungen in Bruchsal haben.) Außerdem können Sie sich dort auch beraten lassen.

Natürlich finden sich auch im Internet viele Anregungen. Auf unserer Internetseite werde ich wöchentlich auch selbst einen kleinen Impuls geben.Soweit einige Informationen.

Bleiben Sie bewahrt. Und feiern Sie Ostern!

Ihr Achim Schowalter