Impuls von Pfarrer Achim Schowalter für die Woche vom 29.3.

In wenigen Wochen jährt sich der Todestag von Dietrich Bonhoeffer zum 75. Mal. Dietrich Bonhoeffer gehört, obwohl er nur 39 Jahre alt geworden ist, zu den prägenden Gestalten des 20. Jahrhunderts. Seine klare Einschätzung der Situation des Nationalsozialismus, sein Mut zum kirchlichen und politischen Widerstand, seine anregenden Gedanken in seinen Gefängnisbriefen und nicht zuletzt das Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ inspirieren und ermutigen bis heute viele Menschen.

Im Jahr 1939 schrieb er als eine Art geistlicher Rückblick auf seine Zeit als Leiter des Predigerseminars das kleine Büchlein „Gemeinsames Leben“. Zu Beginn greift er die Situation auf, dass viele seiner Freunde ihren Glauben nicht mehr gemeinsam mit anderen leben können. So schreibt er im ersten Kapitel: „Es ist nichts Selbstverständliches für den Christen, dass er unter Christen leben darf. […] Die leibliche Gegenwart anderer Christen ist dem Gläubigen eine Quelle unvergleichlicher Freude und Stärkung.“

Ich musste an diese Sätze denken, als ich in der vergangenen Woche immer mehr Verordnungen und Regelungen bekommen habe, die das Miteinander, das uns in unserer Gemeinde so viel bedeutet, zunehmend im Horizont von Corona eingeschränkt wurde. Mit anderen nicht mehr Gottesdienst feiern zu können, nicht mehr zusammen zu sitzen oder zu stehen, sich die Hand zu geben oder sich zu umarmen, … all das fehlt in diesen Tagen.

Nun leben wir 2020 zum Glück nicht unter ähnlichen politischen Bedingungen wie Dietrich Bonhoeffer vor 80 Jahren. Die Telefonate werden nicht vom Geheimdienst abgehört, die Briefe nicht geöffnet, …

Wir können Briefe schreiben, das Telefon in die Hand nehmen, die verschiedenen Möglichkeiten nutzen, die uns das Internet bietet, um miteinander in Kontakt zu bleiben, aneinander Anteil zu nehmen, uns gegenseitig zu ermutigen. Für eine hoffentlich überschaubare Zeit lässt sich auch so Gemeinschaft leben. Tun wir das! Versuchen wir den anderen „im Blick“ zu behalten! Beten wir füreinander und – wo möglich – auch miteinander!

„Es ist nichts Selbstverständliches für den Christen, dass er unter Christen leben darf. […] Die leibliche Gegenwart anderer Christen ist dem Gläubigen eine Quelle unvergleichlicher Freude und Stärkung.“ Werden wir kreativ, uns Zeichen des Miteinanders zu schenken!

Achim Schowalter